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László V. Szabó

Veszprém (HU) and Komárno (SK)

Pannwitz, Hofmannsthal und Österreich

[Pannwitz, Hofmannsthal and Austria]

abstract. This study deals with the relation of the German poet and philosopher Rudolf Pannwitz to Austria in the period 1917-1922, as he was witnessing the dissolution of the Austrian-Hungarian Empire while living in Austria himself. His reflections on Austria’s present and possible future can be traced back in his correspondence with Hugo von Hofmannsthal, an outstanding representative of the Austrian culture at that time, but also in some of the essays he published in the period. An important aspect of the context in which Pannwitz regarded the future of Austria, was his personal contact with Czech intellectuals that resulted in the publication of his book on «The spirit of the Czechs» (1919). Finally,  the study aims to place Pannwitz’s intellectual relation to Austria and Bohemia in the context of his view of a European future.

Rudolf Pannwitz (1881-1969) war zwar ein (in Niederschlesien geborener[1]) deutscher Dichterphilosoph, dennoch zeigte er ein vielfältiges Verhältnis zu Österreich, insbesondere in den Jahren vor und nach der Auflösung der Monarchie. Zudem hielt er sich während des ersten Weltkriegs in Österreich auf, bevor er 1921 auf die dalmatinische Insel Koločep umzog. An den verschiedenen Aufenthaltsorten in Österreich (z.B. am Mondsee) verfasste er zahlreiche Schriften, die allerdings weniger in Österreich, als in Nürnberg und München-Feldafing beim Verlag Hans Carl bzw. in deutschen Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Gleichzeitig schrieb Pannwitz, der lebenslang ein sehr fleißiger, wenn nicht besessener Briefschreiber war, zahlreiche Briefe, darunter an prominente Zeitgenossen wie Hugo von Hofmannstahl, Gerhart Hauptmann oder Thomas Mann. Wohl wegen des Aufgabeorts wähnte ihn dieser, laut einem Brief vom 7. August 1920, für einen Österreicher: «Ich habe Glück bei Österreich [sic]. Die Mischung seiner Instinkte, eine gewisse Mürbheit und hochcivilisierte Sympathie mit dem Ende verleiht selbst seinen scheinbar unerbittlichsten Propheten noch Empfänglichkeit oder Duldsamkeit für das, was ich etwa vorstelle»[2]. Ob eine gewisse prophetische Duldsamkeit für Rudolf Pannwitz zutrifft, sei dahingestellt; er selbst hat Thomas Manns Feststellung nur insofern korrigiert, als er ihn bezüglich seiner Herkunft berichtigte: «Sie nehmen mich für einen Österreicher. Doch ich lebe nur hier und auch das obwohl seit jahren nicht endgiltig. mein verlangen und körperliches zwingendes bedürfnis ist seit langem ein gemäszigter süden. von hause aus aber bin ich Preusse sogar…»[3]. Offenbar stand es für Pannwitz bereits 1920 fest, dass Österreich kein endgültiges Zuhause für ihn und die seinen sein wird – seine Briefe aus dieser Zeit zeugen von Unannehmlichkeiten (z.B. einer Kälte, die er immer schwieriger tolerierte), Geld- und Unterhaltungssorgen, sowie vom urgierenden Wunsch, nach Süden zu ziehen und dort ein milderes Klima zu genießen, was ein Jahr später tatsächlich erfolgte. Dennoch waren seine Jahre in Österreich entscheidend in seinem Leben, und bestimmten auch sein Interesse für das geschichtlich-politische Schicksal der Monarchie, mit dem er sich nicht nur in seinem intensiven Briefwechsel mit Hofmannsthal von 1917-1922, sondern auch in manchen (vor allem publizistischen) Schriften aus jener Zeit befasste. Diese zeigen, dass Österreich zu seiner Herzensangelegenheit wurde. Er warf gleichzeitig einen sorgenden und hoffnungsvollen Blick auf die Entwicklungen in Österreich in den letzten Jahren des Krieges und unmittelbar danach, in einem Zeitraum, als er noch überzeugt war, dass Österreich, mit einer klugen europäischen Politik, seine wichtige Rolle in Europa, in Einklang mit den europäischen Mächten und Nationen, beibehalten könnte. Im Folgenden wird das Verhältnis von Pannwitz zu Österreich vor allem aufgrund seines Briefwechsels und seiner Publizistik aus dem Zeitraum 1917-1922 untersucht.

Pannwitz und Hofmannsthal – die Korrespondenz

Pannwitz zeigte während der oben genannten Krisenzeit, des ersten Weltkriegs bzw. der Auflösung der Österreich-Ungarischen Monarchie, sowohl für Österreich als auch für Böhmen (das 1918 aus der Monarchie ausschied) ein genuines Interesse, das sich auch (und vor allem) in seiner Korrespondenz mit Hugo von Hofmannsthal mehrfach widerspiegelt. Dieser erst 1993 veröffentlichte Briefwechsel[4], selbst wenn von relativ kurzer Dauer, gehörte zu den wichtigsten in Pannwitz’ (ziemlich langem) Leben, wiewohl er mehrere hundert Briefpartner hatte. Es geht um eine sehr intensive Korrespondenz, insbesondere seitens von Pannwitz, der in seiner charakteristischen Kleinschreibung à la Stefan George zumeist mit ganz langen Briefen in kurzen Abständen seinen österreichischen Dichterkollegen traktierte, während sich Hofmannsthal eher selten zu längeren Ausführungen und Bekenntnissen hinreißen ließ. Immerhin stammt der erste Brief von ihm, entstanden am 1. Oktober 1907 in Rodaun bei Wien, während der erste bekannte Brief von Pannwitz’ an Hofmannsthal noch in Volksmannsdorf in Thüringen am 11. Mai 1908 aufgegeben wurde. Nach einer großen Pause kam dann 1917 ihr brieflicher Austausch in Schwung, zunächst mit zwei Briefen Hofmannsthals und dann der Antwort von Pannwitz, nunmehr aus St. Gilgen bei Salzburg. Das ist also die Zeit, als Pannwitz’ österreichische Lebensphase begann, gekennzeichnet durch zahlreiche Publikationen, darunter von zehn Mythendichtungen, von denen manche auch Hofmannsthal bekannt (weil zugesendet) wurden, ebenso wie die ebenfalls 1917 erschienene Krisis der europäischen Kultur.

In diesem kulturphilosophischen Werk, in dem Pannwitz eine Diagnose der Kulturkrise Europas und seine Vorschläge zu ihrer Überwindung formulierte, geht es noch weniger um das Schicksal Österreichs und der Monarchie, dennoch fühlte sich Hofmannsthal verpflichtet, zur Verbreitung des Buches beizutragen, allen voran unter seinen (Dichter)Freunden und Bekannten. Offenbar war es das Interesse für die Kulturtradition Europas und seine Zukunft, in dem sie ihr gemeinsames Streben erkannten. Die Verpflichtung für die Kultur des alten Kontinents und die Sorge für seine Zukunft verband die zwei Dichter in den folgenden Jahren, in denen sie auch die Auflösung der Monarchie zu ihrem Leidwesen erleben mussten. Von den aktuellen sozialen und politischen Geschehnissen fühlten sie sich indessen zutiefst berührt. Während aber Hofmannsthal zunehmend eine resignative Position gegenüber dem Untergang des alten Europa bezog, zeigte Pannwitz eher eine Tendenz zur Analyse der politischen Situation und der Möglichkeiten eines aus seiner Sicht optimalen politischen Zustands in Europa und Österreich. Zwar entging auch Hofmannsthal, gleich vielen seiner Zeitgenossen, dem Einfluss Nietzsches nicht[5], dennoch blieb er durch die Epochenwellen der Skepsis, der Untergangsstimmung und des (Kultur)Pessimismus nicht unberührt[6], während der konsequente und unerschütterliche Nietzsche-Verehrer Pannwitz[7] des festen Glaubens[8] war, dass jedwede Krise, so auch die gegenwärtige, zu überwinden sei. Zwar erkannte er, in Anlehnung an Nietzsche, das Phänomen des Nihilismus[9] sowohl in der Kultur als auch in der (europäischen) Politik seiner Zeit, dennoch blieb er der Ansicht, dass der kritische Zustand Europas ein vorläufiger sei und seine Wiedergeburt (ein renascimentum europaeum, so seine Formel im Krisis-Buch) notgedrungen erfolgen würde.

Das Schicksal Europas lag beiden Dichtern zweifelsohne am Herzen, wie das sowohl aus ihren Briefen als auch ihren anderweitigen Schriften hervorgeht[10]. In der Tat beschäftigen Hofmannsthals Europa-Vorstellungen die Forschung seit geraumer Zeit[11]; doch versäumt man in der Regel die Frage zu stellen, inwiefern sein Europa-Bild von Pannwitz, allen voran von dessen Krisis-Buch beeinflusst wurde[12]. Angesichts ihrer Korrespondenz scheint dieser Einfluss alles andere als gering gewesen zu sein, auch wenn sich Hofmannsthal in seinen Schriften eher selten auf Pannwitz bezieht[13]. Die Unstimmigkeiten zwischen ihnen, von den ihr Briefwechsel ebenfalls Zeugnis ablegt, mag ein Grund dafür sein, dass er sich weigerte, sich in irgendwelcher Form zu Pannwitz und seiner Lehre zu bekennen, wiewohl man z.B. aus einer Tagebuchnotiz Arthur Schnitzlers (vom Dezember 1917) von seiner «Besessenheit von Pannwitz» weiß[14]. Diese Ergriffenheit hat aber später offenbar nachgelassen; die Gründe für die allmähliche Abkühlung ihres Verhältnisses lassen sich ebenfalls dem Briefwechsel entnehmen. Ein wiederkehrendes Thema der Briefe war nämlich alltäglicher und finanzieller Art, wobei es hauptsächlich um die Art und Weise der Unterstützung von Pannwitz und seiner Familie ging.

An einer materiellen Not litt Pannwitz fast immer, zieht man auch andere Briefe der damaligen und späteren Zeit (etwa während seines Aufenthalts in Dalmatien) in Betracht. Seine diesbezüglichen Irritationen hat auch Hofmannsthal zu spüren bekommen, sei es direkt durch die Briefe an ihn, oder durch Gerüchte und Nachrichten, die ihm durch Vermittlerpersonen zu Ohren gekommen sind. Pannwitz’ Ärger über seine unwürdige Lage, die er wiederholt in langen Berichten schildert, sein allzu strenges Urteil über die Personen in seinem Umfeld, einschließlich der finanziellen Helfer, die von Hofmannsthal selbst vermittelt wurden, muss diesem manche Unannehmlichkeiten bereitet haben. Ihre Meinungsverschiedenheit darüber, wie Pannwitz unterstützt werden könnte, tritt in den Briefen mehrfach zu Tage – und das bei einem offensichtlichen Respekt füreinander, der selbst nach ihrem Bruch wohl nicht verschwunden ist. Von Anfang an zollte Pannwitz Anerkennung für das Werk Hofmannsthals, und zwar sowohl in den Briefen als auch in ganzen Aufsätzen[15], die Hofmannsthal als willkommene und anspruchsvolle Werbung für seine Werke aufnahm. Er fühlte sich von Pannwitz verstanden, besser als von manch anderem Freund (wie z.B. Hermann Bahr), holte sich gelegentlich Ratschläge bei ihm, während er auf der anderen Seite eher ein ambivalentes Verhältnis zu Pannwitz’ Schriften, ihrem gedanklichen Inhalt, aber auch ihrer Poetik, entwickelte: War er erstaunt beim Lesen mancher seiner Bücher (oder Broschüren), so musste er ein andermal seine Überforderung ehrlicherweise zugeben. Wohl dies ist einer der Gründe, warum er es nie über sich brachte, auch nur eine Rezension über irgendein Werk von Pannwitz zu schreiben. Allerdings hat dieser nie eine solche Anforderung an ihn gestellt (dafür aber Anforderungen anderer, z.B. finanzieller Art).

Hofmannsthals gelegentliche Reserven gegenüber den Werken von Pannwitz mögen zunächst überraschend klingen, zumal beide ihre gemeinsamen Bestrebungen gegenseitig bekundeten, wie auch in Anbetracht von Hofmannsthals umfangreicher Bildung und Belesenheit, die etwa im Bereich Romanistik (vor allem der französischen Literatur[16]) jene von Pannwitz weit übertrafen. Zudem teilten sie ein markantes Interesse für antike Mythen, darunter etwa für den Ödipus-Mythos, den sie beide dramatisch bearbeitet haben[17], aber auch für manche Autoren österreichsicher Herkunft wie Franz Grillparzer oder Adalbert Stifter[18]. Es war aber Pannwitz, der Hofmannsthal auf österreichische Mythen und Sagen, wie vor allem auf die Tiroler Ladinersage[19], aufmerksam machte. Zudem teilten sie ein gemeinsames Interesse für die Geschichte Österreichs und manche historischen Gestalten aus der österreichischen Vergangenheit, wie z.B. für Prinz Eugen[20]. Ein Vergleich der Werke von Hofmannsthal und Pannwitz steht in der Forschung allerdings noch aus, ebenso die Beantwortung der Frage, bei welchen Werken Hofmannsthals der jüngere Pannwitz Pate gestanden haben mag. Eine ausführliche Antwort benötigte allerdings ein selbstständiges Studium; so muss man sich an dieser Stelle mit der (eher hypothetischen) Feststellung begnügen, dass insbesondere die Mythendichtungen der Beiden manche poetischen Korrelationen zeigen und einer Art Revision der Moderne dienten. Diese Revision speiste sich aus dem Bedürfnis, die Krise der Moderne, auch der modernen Kunst, zu überwinden, und eine Art alternative Moderne zu schaffen. Gemeinsam ist Beiden auch eine dramenpoetische Mythenrezeption der Antike (Ödipus, Ariadne), wobei die Themenwahl Hofmannsthals im Grunde der europäischen Tradition verpflichtet blieb, während Pannwitz gelegentlich auch (alt)orientalische Motive heranzog, wie in den Dichtungen Das namenlose Werk oder Titan und die Erlöser[21]. Auch seine monumentale Nachdichtung der Evangelien mit dem Titel Logos hat bei Hofmannsthal kein Äquivalent.

Die Kommentare zu den Werken voneinander und von anderen sind ein wichtiger Bestandteil des Briefwechsels. Die Bemerkungen von Pannwitz sind zumeist schonungsvoll und ermutigend, erwecken aber gleichzeitig den Eindruck, als wollte er seinen Dichterfreund ständig zu etwas noch Größerem, Umfassenderem anregen. Hofmannsthals Zusammenarbeit mit Max Reinhardt und anderen Freunden z.B., seine Affinität zur Oper oder den Aufwand um die Salzburger Festspiele fand er ihm unwürdig und mahnte ihn an andere Wege der künstlerischen Vervollkommnung. Pannwitz, der sich, wie es scheint, zu einer Art Meister von Hofmannsthal designierte, wollte mehr von ihm haben, als er erhielt, eine tiefere, konsequentere, ja produktivere Freundschaft. In ihrem Briefwechsel treten nicht selten auch seine pädagogischen Ansichten und Absichten[22], wie auch seine nietzscheanischen Anforderungen an den kompromisslosen, schaffenden Geist, deutlich zu Tage. Diese hohen Anforderungen fielen aber Hofmannsthal immer mehr zur Last, er redete sich immer häufiger mit Krankheiten und Unpässlichkeiten aus, und verweigerte schließlich (Ende 1920) jedwede schriftliche Antwort auf Pannwitz’ dringende Bitten und Vorschläge. Pannwitz drängte noch auf Hofmannsthals Tochter, Christiane ein, zwischen ihm und ihrem Vater zu vermitteln, gleichsam um ihre Freundschaft zu retten, doch blieb auch dieser Versuch ebenso erfolglos, wie der Brief von Koločep im Juli 1922: Mit der Beziehung war es nunmehr vorbei, trotz eines (titellosen) Gedichtes, das Pannwitz «in dankbaren erinnerungen auf immer» an Hugo von Hofmannsthal, und noch ein letztes Mal im Juni 1926 aus Österreich an Christiane schickte. Dennoch bleibt der Briefwechsel das beeindruckende Zeugnis einer zumindest zeitweilig nahen Freundschaft und eines regen geistigen Austausches zwischen zwei herausragenden Gestalten der deutsch­sprachigen Moderne[23]. Nicht zuletzt ist er der Spiegel einer turbulenten Zeit des Kampfes und der Sorge um die Zukunft von Österreich und Europa.

Österreich, Böhmen und Europa

Wenn Hofmannsthal für manche Forscher*innen heute «zu den Vordenkern eines zukünftigen Europa» gehört, dessen Schriften «von einer europäisch orientierten Internationalität»[24] basierend auf der gemeinsamen europäischen Kulturtradition, Zeugnis ablegen, so ließe sich das Gleiche über Rudolf Pannwitz feststellen, war er doch ein guter Europäer in der Nachfolge Nietzsches, allerdings einer, der eigene Ansichten darüber hatte, wie man die Integrität Europas wahren könnte. Kulturtradition, Gegenwart und Zukunft Europas waren Pannwitz’ höchstes Anliegen, zumal während des Ersten Weltkriegs, als er an seinem Krisis-Buch arbeitete, bzw. in den letzten Jahren der Monarchie. Nichtsdestotrotz wird er viel seltener als Hofmannsthal als ein Denker Europas wahrgenommen[25], wiewohl es nicht auszuschließen ist, dass Hofmannsthals Europa-Bild durch die Aufarbeitung der europäischen Kulturtradition und das Zukunftsprojekt Europa in Pannwitz’ Krisis-Buch stark mitgeprägt wurde.

Seinen Europa-Gedanken brachte Hofmannsthal vor allem in seinen Essays zum Ausdruck, verfasste aber kein umfassendes philosophisches Werk. Er blieb vor allem ein Dichter, der die europäische Kultur- und Mythentradition aufnahm, nachdichtete, und in ihr auch die Potenz einer Selbstdeutung der Moderne offenlegte. Das tat er allerdings lange bevor er überhaupt etwas von Pannwitz las, so dass Lektüren wie von dessen Krisis-Buch in mancherlei Hinsicht Bestätigungen eigener Intuitionen oder Prämissen, doch gleichzeitig auch Anregungen zum Weiterdenken und -dichten waren. Es gäbe viele Anhaltspunkte und Korrelationen, wollte man das Europa-Bild von Pannwitz mit jenem von Hofmannsthal vergleichen, wobei gewiss auch Unterschiede aufgedeckt werden könnten. All das kann aber hier nur angedeutet werden. Neben dem erwähnten größeren Interesse Pannwitz’ für den Orient ist der Umstand augenfällig, dass er nicht weniger philosophierte als dichtete, manchmal in monumentaler Form: In den letzten Jahren seines Lebens hat er z.B. eine großangelegte philosophische Trilogie unter dem verbindenden Titel Die vorhandene und die geschaffene Welt verfasst, während sein größtes dichterisches Werk, das Epos Die heiligen Gesänge der Hyperboräer bis heute unveröffentlicht (im DLA Marbach am Neckar) vorliegt. Seine Idee eines durch die gemeinsame Tradition verbundenen Europa hat er in Essays und philosophischen Werken, allerdings auch in Briefen mehrfach zum Ausdruck gebracht. Im Unterschied zu Hofmannsthal schloss er sich häufiger politischen Debatten an, solange seine Ansichten in Deutschland oder Österreich überhaupt publiziert werden konnten. Im Briefwechsel mit Hofmannsthal fällt indessen auf, dass sich Pannwitz immer wieder in längeren Briefpassagen seine politische Kritik und visionären (manchmal aber auch skurrilen) Vorstellungen über eine deutsche, österreichische und europäische Politik ausließ, während Hofmannsthal in Sachen Politik sich eher selten Äußerungen oder Stellungnahmen gönnte, und selbst dann zumeist der Position seines Briefpartners beipflichtete. In Pannwitz’ Briefen hingegen wimmelt es geradezu von Äußerungen und Ausführungen über die aktuelle und voraussichtliche politische Lage, über Politiker der Zeit, ihre Reden, Ansichten und Sünden, wie auch von erklärten Absichten, selbst auf Politiker – gleichsam aus der zweiten Reihe, einem politischen Ratgeber ähnlich – Einfluss zu nehmen. Zu einer politischen Karriere brachte es Pannwitz allerdings ebenso wenig wie Hofmannsthal, nahm aber Kontakt mit einigen Politikern der Zeit wie Joseph Redlich oder Tomáš Masaryk auf, bei denen er gelegentlich Zuspruch – und nicht zuletzt auch finanzielle Hilfe – fand. Zudem verdiente seine politische Publizistik wohl mehr Aufmerksamkeit als bisher.

Was den damaligen Stand der Dinge in Europa (1917-1920) anbelangt, so war Pannwitz alles andere als zufrieden. In seinem langen Aufsatz Deutschland und Europa 1918 zum Beispiel, warf er der europäischen Politik eine Art «Perversion», und selbst Bismarcks Deutschland das Fehlen einer «gründenden Idee» vor[26]. Als Heilmittel sah er einen allmählichen, organischen, «inneren» Aufbau Europas an[27], der sich «in der Form von freien Verträgen vollziehn» (PDE, S. 22) solle. Es stehe im Interesse Europas die «Erhaltung, Fortführung, Vollendung der europäischen Gesamtkultur die Vormacht auf Erden zu werden und zu bleiben». (PDE, S. 24) Ein künftiges Europa beruhe, politisch-praktisch gesehen, einerseits auf dem «Zusammenwirken zwischen Deutschland und England», andererseits «auf der organischen Verbindung zwischen Deutschland und Österreich» (PDE, S. 35). Diese «organische» Verbindung zwischen Deutschland und Österreich wurde somit ein Grundpfeiler der von Pannwitz’ vorgestellten Architektur eines künftigen Europa, der sich nach dem Krieg auch der Wunsch nach einer Führungsrolle Englands gesellte, wiewohl er sich sonst nicht selten ablehnend über die Politik der Weltmacht England, der «englischen Richtung» in der Kulturentwicklung Europas äußerte. Für die Etablierung eines solchen zukunftsträchtigen Machtdreiecks erhoffte er sich sowohl von Deutschland als auch von Österreich eine rasche Erholung von den Folgen des Krieges. Dass dies nicht leicht erfolgen würde, musste er während der Jahre in Österreich, als er allzu oft unter materieller Not, Inflation usw. litt, langsam, aber sicher einsehen, zumal weitere politische Mahnmale am Horizont der Monarchie aufkreuzten: Die wachsenden Unruhen unter den Nationalitäten der Monarchie, die mit der Auflösung derselben drohten. Es war diesmal Hofmannsthal, der Pannwitz auf die zunehmend skeptische Position der tschechischen Intellektuellen gegenüber der Österreich-Ungarischen Monarchie – einer Doppelmonarchie also, die den tschechischen Traum einer Trippelmonarchie nie erfüllen konnte – aufmerksam machte.

Dabei hatte Hofmannsthal bereits seit Jahren versucht, die Tschechen von der Bedeutung eines Austausches zwischen Deutschen und Tschechen über Europa zu überzeugen. Die Bedeutung der tschechischen Kultur für die Monarchie war für ihn selbstverständlich, wie auch jene der Monarchie für das Zusammenleben ihrer Völker. Um dies zu betonen, plante u.a. einen Bilderband mit Ehrenstätten Österreichs, doch wurde er von den nationalbewussten Tschechen kategorisch abgewiesen, da sie zu der Zeit ihr Vertrauen zur Habsburgermonarchie bereits verloren hatten[28]. Nachdem dieses Projekt scheiterte, versuchte Hofmannsthal immerhin ein anderes, nämlich die Ausgabe einer «Österreichischen Bibliothek» mit Texten von tschechischen Dichtern. Die Reihe wurde mi einem Band über Grillparzer 1915 begonnen, doch ließ sie sich jedoch mit tschechischen Autoren zunächst nicht fortsetzen, da diese nicht bereit waren, an einem «österreichischen» Projekt mitzumachen. Darauf kam Hofmannsthal auf die Idee einer «Tschechischen Bibliothek», die sich aber erst zwei Jahre später in einem einzigen Band, in der Tschechischen Anthologie mit Werken von Otokar Březina, Jaroslav Vrchlický und Antonín Sova in den Übertragungen Paul Eisners realisierte.

Die Bestrebungen Hofmannsthals nach einer breiteren Bekanntmachung der tschechischen Literatur beim deutschsprachigen Publikum, sind Pannwitz nicht entgangen. Er selbst wurde vom Dichterkollegen auf tschechische Literaturwerke aufmerksam gemacht, wobei ihm einige tschechische Autoren, wie z.B. František Xaver Šalda[29], bereits vor der Fühlungnahme mit Hofmannsthal bekannt waren. Auch hatte er bereits im Herbst 1917, also noch vor seiner Böhmenreise (als er u.a. Prag besuchte) seine Ansichten über das Verhältnis zwischen Österreich und Böhmen, ihren Sprachen und Kulturen, auf den Punkt gebracht, wie das aus seinem Brief vom 24. September hervorgeht:

«1. beide sprachen [tschechisch und deutsch] zu beherrschen ist in Böhmen für jeden halb oder zehntelsgebildeten selbstverständliche anstandspflicht und grosze bereicherung: zwei sprachen u. zwei völker ist besser denn nur eines im sinne der höhern synthetischen kultur. In der pflege und duldung der tschechischen sprache das gröszte entgegenkommen.

2. Österreich-Ungarn basiert aber als reich auf der deutschen weltkultur. von den Deutschen zu fordern dass sie in Österreich sich als weltkultur empfinden lernen und überhaupt nicht als nationalkultur / zumal der Deutsch- Österreicher wie auch der Preusse ausserordentlich slawisches und dem verwandtes rnongolisches blut hat mit dem bestimmteste werte verbunden sind. von den Tschechen zu fordern dass sie einer weltkultur als nurnationalkultur sich unterordnen d.h. sie als historische tatsache anerkennend nicht bekämpfend sondern mit ihren steigenden starken nationalen kräften auf alle weise bereichern und verjüngen genauso wie die entstehende deutsche weltkultur alle frühern fremden aufnahm. wieviel dann slawisch wieviel deutsch zuletzt sein wird ob einmal das slawische weltsprache werden kann darf nur das resultat historischer leistungen sein aber nicht politisch antizipiert werden.

3. demgemäsz unmöglich dass in Österreich-Ungarn sofern es übernationales imperium ist alle paar bahnstunden eine andere verwaltungssprache ist». (HP, 99)

Pannwitz’ Wortwahl dreht sich hier um die Definition der Formen von Sprache(n) und Kultur(en) der Monarchie, umrahmt von einem Konzept der Annäherung und Gleichbewertung von Österreich und Böhmen. Er betont den Nutzen und die Pflicht der Zweisprachigkeit in Böhmen, ohne auszuschließen, dass das Slawische einmal den Rang einer Weltsprache als «Resultat historischer Leistungen» erlange. Er findet es hingegen absurd, dass ein «übernationales Imperium» wie Österreich-Ungarn eine Art Flickenteppich von Verwaltungssprachen werde. Zudem erschien ihm das Übernationale (heute würde man wohl sagen: Transnationale) um viel wesentlicher und zukunftsträchtiger als das «Nurnationale», mit anderen Worten: Der tschechische Nationalismus erschien ihm an sich zwecklos[30], weshalb er stattdessen eine Integration der slawischen Kultur in die deutsche empfahl, um dadurch eine Bereicherung und «Verjüngung» der deutschen «Weltkultur» zu erzielen. Letztere ist bei Pannwitz zunächst eine Wertsetzung, dann aber auch ein Begriff, der seinem Konzept einer «Kultursynthese, einer Oberkultur der Kulturen», wie er später notierte[31], entsprach.

Auf dieser Basis einer Synthese der Kulturen zwecks einer Weltkultur versuchte Pannwitz die deutsch-böhmischen bzw. tschechischen Intellek­tuellen zu kontaktieren und von der Haltbarkeit seines Konzepts zu überzeugen. Die Versuche einer Annäherung an die tschechischen Intellektuellen, ihre Wertschätzung konnte aber an ihren Reserven gegenüber einer Monarchie mit deutsch-österreichischen Hegemonie, die ihrer Ansicht nach zuvor wenig getan hatte, um sie von der Notwendigkeit des Zusammenlebens in einem Staat zu überzeugen, wenig ändern. Kennzeichnend für die tschechische Position war jene Bemerkung von Karel Kramář, damals Führer der panslawistischen «Jungtschechen» Partei, Pannwitz’ Österreich-Idee käme zu spät und sei nicht mehr zu verwirklichen (HP, 779). Allerdings zeigten manche deutsch-böhmischen Autoren mehr Verständnis für ein synthetisches Konzept über Nationalitäten und nationale Sprachen hinaus, bzw. für einen Staat ohne die Hegemonie einer auserwählten Nationalität, sondern basierend auf einem gemeinsamen kulturellen Substrat. So war etwa Paul Eisner gegen eine nationale Identitätsbildung, die allein die Sprache zur Grundlage ihres politischen Denkens machte[32].

Auf die Anregung und dank der Unterstützung Hofmannsthals begab sich Pannwitz im Dezember 1917 nach Böhmen, um dort tschechische Intellektuelle anzutreffen, und mit ihnen transnationale Gespräche über die Zukunft Österreichs, Böhmens und Europas zu führen, bzw. überhaupt die tschechische Kulturtradition von der Nähe kennenzulernen. Von der tschechischen Kultur, sei es Architektur, Musik (Oper) oder Bildhauer­kunst, war er durchweg fasziniert, und nicht zuletzt ließ er sich inspirieren zu einer Reihe von Aufsätzen über Böhmen, die er dann in einem Band zusammenfügte: Der Geist der Tschechen[33] ist Pannwitz’ Zeugnis eines großen Respekts für die tschechische Kultur, bzw. in weiterem Sinn der slawischen Kulturen (bzw. der «Kultur der Slawen»), und gleichzeitig eine Art Prophetie über ihre eminente Rolle in der geistigen und kulturpolitischen Gestaltung des künftigen Europa[34] – eine Rolle, die er allerdings auch den Deutschen zuerkannte. Unter den Tschechen fand er, wenn auch keinen Zuspruch für eine konservative, altehrwürdige und längst überholte Monarchie, immerhin «große Aufgeschlossenheit und einen starken Willen zum Europäischen»[35]. Er musste dabei seinen tschechischen Partnern Recht geben, dass Österreich «manches anders» hätte machen sollen. Otokar Březina, mit dem sich Pannwitz während seiner Böhmenreise befreundete, war etwa der Meinung, «Rom und Wien seien das Unglück» der Tschechen gewesen, weshalb er sich zu dieser Zeit die Zukunft Österreichs nur in Form eines Föderalismus, geleitet von einem «große[n] Staatsmann», vorstellen konnte. Eine «Doppelmonarchie auf Kosten des Dritten» lehnte er aber dezidiert ab, wobei er auch kein Adept der Demokratie zu sein schien. Schließlich sprach sich Březina, der sich «vertrauenslos gegen Österreich» zeigte, «doch entschieden gegen Ungarn» aus[36].

Solche Meinungsverschiedenheiten, etwa bezüglich der Rolle der Ungarn in einem künftigen Österreich[37], haben Pannwitz immerhin nicht daran gehindert, Freundschaften in Böhmen zu schließen, so neben Březina etwa auch mit dem Sprach- und Literaturwissenschaftler, Publizisten und (späteren) Politiker Franz Spina (1868-1938). Der Austausch mit ihnen verstärkte und gleichzeitig nuancierte sein Bild über Österreich und Böhmen, bzw. über eine mögliche Entwicklung und Gestaltung ihrer Relation. Noch aus Prag berichtete er von seinen dortigen Erfahrungen und skizzierte seine Vorstellungen über die (gemeinsame) Zukunft Österreichs und Böhmens:

meine gedanken über Östreich [sic] […] haben sich immer weiter ausgewachsen und zwar unverändert in ihrem wesentlichen ja sogar aufs stärkste bestätigt. dazu viel neues. vor allem ein ganz sicherer tiefer fester eindruck der alten und heutigen tschechischen kultur und ihrer zukunft für sich in Östreich und in Europa. […]. man ist hier bei den Tschechen aus letzten instinkten heraus die ich nicht teile aber verstehe – und keineswegs nur aus realpolitik – gegen Wien. da sind also wege zu finden. und dafür muß ich die werte von Wien und was Wien künftig sein kann ins unmittelbarste gefühl bekommen. (HP, 171)

Aus diesen Erfahrungen und Hoffnungen erwuchs Der Geist der Tschechen, ein Buch über die tschechische Kultur und ihre Vertreter seit Comenius bis in die Gegenwart, eingebettet in eine Kulturphilosophie, in der die Relation zwischen der deutschen und slawischen Kultur(en) die Grundlage für ein Europa der Zukunft bildete. Einige Intellektuelle in Österreich oder Böhmen, wie vor allem Paul Eisner oder Otokar Fischer – mit denen Pannwitz selbst nach dem Bruch mit Hofmannsthal weiter korrespondierte[38] –, haben das Buch mit Verständnis und Anerkennung aufgenommen, doch war es allerdings für eine Rettung der Monarchie zu spät. Pannwitz selbst musste dann das Thema Böhmen langsam aufgeben und sich um die Lage und Zukunft Österreichs nach dem Krieg «kümmern», zumindest solange er noch in Österreich blieb.

Österreich blieb ein wiederkehrendes Thema auch seiner späteren Korrespondenz mit Hofmannsthal, in dem Pannwitz einen eminenten und gar wichtigsten Vertreter der österreichischen Kultur sah. Ein Jammern über Verluste, eine (verspätete) Fin-de-siècle-Stimmung und Untergangsvisionen standen ihm immer fern; desto mehr geistige Energie investierte er in die Suche nach einem Österreich- und Deutschlandbild, das seiner Vorstellung eines friedlichen und transnationalen Europa entsprechen konnte. Dass Österreich und Deutschland die Verlierer des Krieges waren, hat er natürlich wahrgenommen, doch bekundete er unbeirrt seine Überzeugung, beide würden eine führende Rolle im künftigen Europa spielen. Das aber zunächst mithilfe Englands, wie er noch im Oktober 1918 festlegte: «Wir brauchen fürs erste Englands politische suprematie in Europa». (HP, 335) Anstelle einer Amerikanisierung erblickte Pannwitz in England, trotz seiner Reserven gegenüber der (materialistischen) «englischen Richtung», die er noch in der Krisis anprangerte, eine starke und verlässliche europäische Macht, deren Suprematie er anerkannte, allerdings mit der gleichzeitigen Hoffnung, England werde Deutschland und Österreich nicht demütigen, sondern zwecks einer friedlichen europäischen Zukunft mit diesen kooperieren. Bezüglich Österreichs notiert er: «Österreich muss geheim und schleunigst einen direkten weg zu England finden. Österreich steht und fällt mit Europa. Für Österreich kann es keine isolierte innenpolitik mehr geben. Aber nur ein Österreichischer innenpolitiker ist imstande Österreichs aussenpolitik zu führen». (HP, 335) Im selben Brief kommt er noch einmal auf die Tschechen zurück, um diesmal die Möglichkeit eines tschechischen Nationalreiches (!) offenzulassen, unter der Bedingung allerdings, es werde die deutsche Minderheit in Böhmen schützen: «Wenn sich Tschechen und Deutschböhmen über ein tschechisches nationalreich mit dem schutze der deutschen minorität verständigen so sind auf organischem wege zu organischem ziele die Deutschnationalen gesprengt und ein anfang von Österreich ohne Wiener belastung ist da». (HP, 337)

Noch ein Jahr später beschäftigt Pannwitz die Relation Österreich-Deutschland-Amerika in besonderem Maße: Er meint diesmal, man könne Amerika nur dann entgegenwirken, «wenn man Frankreich vom kontinente aus beharrlich stützt». (HP, 482) Die gleich anschließende Idee klingt aber noch verblüffender: Er visioniert da ein neues deutsches Österreich (!), ein Austrasien (!) bestehend aus Österreich und Süddeutschland, mit der Haupt­stadt Salzburg. Mittel- und Nord-Ost-Deutschland bliebe dann, so Pannwitz weiter, «ein begrenztes Preussen (wie ein begrenztes Ungarn) ohne selbständige aussenpolitik» (!), wovon er sich diesmal auch ein langsames «Abgegraben» der englischen Übermacht erhoffte (HP, 482).

Es wäre schwer zu bestreiten, dass manche (politischen) Ideen von Pannwitz heute utopisch, wenn nicht obsolet klingen. Dass er aber zu jenen deutschen Intellektuellen gehörte, denen nicht nur das Schicksal Deutschlands in und nach dem ersten Weltkrieg, sondern auch jenes von Österreich und des ganzen Europa am Herzen lag, ist ebenso unleugbar. Von Europa erwartete er dabei viel, so unter anderem eine Rückbesinnung auf eigene geistige Traditionswerte und Glanzleistungen, aber auch auf die Werte anderer Kulturen, vor allen des alten Asien. Es mag dem heutigen Leser kurios vorkommen, aber eine Kosmologie altorientalischen Ursprungs avancierte bei Pannwitz zu einer Zentralidee, ebenso die Überzeugung, dass nur die An- und Aufnahme dieser Kosmologie die europäische Kultur wieder zur Blüte bringen könne. Er versprach sich dabei, dass die deutsche, bzw. österreichische Kultur, ebenso wie die slawische, durch die Aneignung und Wiederbelebung altorientalischer Kulturinhalte die Erneuerung Europas bewirken können. Pannwitz’ Denken war gleichzeitig transnational, transkulturell und transkontinental. Aus dieser Perspektive erschienen ihm die Nationalismen überholt, ja schädlich, eigentlich gleichbedeutend mit Friedlosigkeit und politischem Chaos. Das ist immerhin ein Standpunkt, den auch die heutige europäische Politik beherzigen kann.

Literatur

Fossaluzza, Cristina: Rudolf Pannwitz. In: Mathias Mayer, Julian Werlitz (Hgg.): Hofmannsthal-Handbuch. Stuttgart: Metzler, 2016, S. 65-67.

Heumann, Konrad: Hugo von Hofmannsthal und Ladinien. Zur Entstehung des Romanfragments «Andreas». In: Ladinia 22 (1998), S. 325-340.

Hofmannsthal, Hugo von: Reden und Aufsätze III: 1925-1929. Aufzeichnungen. Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Hg. v. Bernd Schöller in Beratung mit Rudolf Hirsch. Frankfurt a/M.: Fischer, 1979.

Höhne, Steffen: Bohemismus und Ultraquismus. In: Peter Becher, Steffen Höhne, Jörg Krappmann und Manfred Weinberg (Hgg.): Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder. Stuttgart: Metzler, 2017, S. 229-239.

Jičinská, Veronika: Begegnung mit dem «Geist der Tschechen» am Beispiel des Březina-Bildes. In: Aussiger Beiträge 12 (2018), S. 175-196.

Johnston, William M.: Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte. Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848 bis 1938. Aus dem Amerikanischen übertragen von Otto Grohma. Wien, Köln, Weimar: Böhlau, 1974.

Lützeler, Paul Michael: Die Schriftsteller und Europa. Von der Romantik bis zur Gegenwart. 2. Aufl. Baden-Baden: Nomos, 1998.

Mann, Thomas: Briefe II. Große kommentierte Frankfurter Ausgabe. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2004, Bd. 22.

Pannwitz, Rudolf: Die Krisis der europäischen Kultur. Nürnberg: Hans Carl, 1917.

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Wolf, Norbert Christian: Europa-Konzeptionen in der österreichischen Literatur der Zwischenkriegszeit: Hofmannsthal – Musil – Zweig. In: Pandaemonium 24 (2021), Nr. 44, S. 106-123.



[1] Dazu schreibt Pannwitz: «übrigens stamme ich aus einer brandenburgischen kleinstadt an der schlesischen grenze aber meine eltern hatten lange jahre in triest gelebt und auch dort sich kennen gelernt und so hatte ich von meiner kindheit an im gegensatze zu der dürftigkeit der umgebenden unkultur eine lebendige vorstellung von der österreichischen internationale». Rudolf Pannwitz: Grundriss einer Geschichte meiner Kultur 1881-1906. In: Die Sichel 2 (1920), H. 1, S. 3.

[2] Thomas Mann: Briefe II. Große kommentierte Frankfurter Ausgabe. Frankfurt am Main, 2004, Bd. 22, S. 262.

[3] Rudolf Pannwitz an Thomas Mann am 13. August 1920. Aus einem Manuskript bewahrt im Pannwitz-Nachlass des DLA Marbach am Neckar. Kleinschreibung im Original.

[4] Hugo von Hofmannsthal – Rudolf Pannwitz: Briefwechsel 1907-1926. Hg. von Gerhard Schuster. Frankfurt am Main, 1993. (Im Weiteren abgekürzt mit «HP»).

[5] Vgl. László V. Szabó: «…eine so gespannte Seele wie Nietzsche». Zu Hugo von Hofmannsthals Nietzsche-Rezeption. In: Jahrbuch der ungarischen Germanistik 2006, S. 69-93.

[6] So kann man etwa Hofmannsthals im Brief des Lord Chandos formulierte Sprachkrise als eine Form seines Kulturpessimismus ansehen. Allerdings versuchte er später im Essay Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation mit der Vision einer deutschen Kulturtotalität seinen Kulturpessimismus zu überwinden. Dabei ist der Einfluss von Pannwitz, der implizit als «synthesesuchender Geist» beschworen wird, auch hier präsent. Vgl. Hugo von Hofmannsthal: Reden und Aufsätze III: 1925-1929. Aufzeichnungen. Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Frankfurt a/M., 1979. S. 40.

[7] László V. Szabó: Der kosmische Übermensch. Zu Nietzsches Wirkung auf Rudolf Pannwitz. In: Renate Reschke (Hg.): Bilder – Sprache – Künste. Nietzsches Denkfiguren in Zusammenhang. Berlin, 2011, S. 245-263.

[8] Allerdings trifft «Glaube» für Pannwitz nicht ganz zu, war er doch kein frommer Gläubiger in herkömmlichem Sinn, sondern ein Denker, der entlang bestimmter Prämissen (fußend etwa auf Heraklit und Nietzsche) seine philosophische (Kultur)Synthese konstruierte.

[9] Bei Pannwitz ist der Begriff des Nihilismus allgegenwärtig. Er geht grundsätzlich auf den Spuren Nietzsches und betrachtet ihn als Synonym von Untergang, Dekadenz, Kultur- und Sinnkrise, Negation aller Werte, gleichzeitig aber auch als Nullpunkt eines Neuanfangs, einer Überwindung der (europäischen) Kulturkrise, bzw. einer «Umkehr» und Verwandlung des Menschen. Vgl. Rudolf Pannwitz: Der Nihilismus und die werdende Welt. Aufsätze und Vorträge. Nürnberg, 1951.

[10] Den Beitrag von Pannwitz zur Kultur- oder Mentalitätsgeschichte Österreichs hat man allerdings bis heute weitestgehend übersehen. So findet man etwa im klassischen Werk von W. M. Johnston zur österreichischen Kulturgeschichte kein Wort über Pannwitz. Vgl. William M. Johnston: Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte. Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848 bis 1938. Aus dem Amerikanischen übertragen von Otto Grohma. Wien, Köln, Weimar, 1974.

[11] Für ein früheres Beispiel s. Frederick Ritter: Hugo von Hofmannsthal und Österreich. Heidelberg, 1967; für neuere: Franz Schüppen: Zur Entwicklung und Bedeutung des Begriffs «Europa» bei Hugo von Hofmannsthal. In: Neuhelicon 38 (2011), S. 19-40, und Norbert Christian Wolf: Europa-Konzeptionen in der österreichischen Literatur der Zwischenkriegszeit: Hofmannsthal – Musil – Zweig. In: Pandaemonium 24 (2021), Nr. 44, S. 106-123.

[12] Zu den wenigen Ausnahmen gehört Cristina Fossaluzza: Rudolf Pannwitz. In: Mathias Mayer, Julian Werlitz (Hgg.): Hofmannsthal-Handbuch. Stuttgart, 2016, S. 65-67.

[13] Im Buch der Freunde zitiert er Pannwitz ein einziges Mal mit der Angabe seines Namens: «Das Lebendige fließt, aber das Fließende ist nicht die Form des Lebens». (Hugo von Hofmannsthal: Reden und Aufsätze III: 1925-1929. Frankfurt a/M., 1979, S. 269) Zudem verweist Martin Stern darauf, dass «der aus dem Chaos hervorgetretene Geistige, mit dem Anspruch auf Lehrerschaft und Führerschaf», den Hofmannsthal in seinem Essay Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation (1927) erwähnt, eben Pannwitz sein könnte. Vgl. Martin Stern: Hofmannsthals Pannwitz-Rezeption. In: Gabriella Rovagnati (Hg.): «der geist ist der könig der elemente». Der Dichter und Philosoph Rudolf Pannwitz. Overath, 2006, S. 138. Sterns Aufsatz mit dem vielversprechenden greift aber insgesamt zu kurz und beschränkt sich größtenteils auf Biographisches, wobei es um ein viel komplexeres Beziehungsgeflecht zwischen den zwei Dichtern und ihren Werken geht.

[14] Ähnlich heißt es an einer anderen Stelle des Tagebuchs: «Mit Hofmannsthal am 11.1.1918 über Kriegszustände, Aussichten, Papiernot – experimentaliter fragte ich, ob er merkwürdige neue Menschen kennen gelernt (ich wußte nemlich [sic] daß er seit Monaten erfüllt von Pannwitz) – ‘Nein!’ – Geheimnisthuerisch; immer bemüht, ‘reinliche Scheidung’ zu machen, – aus seinem Snobismus heraus». Arthur Schnitzler: Tagebuch 1917-1919. Wien, 1985, S. 99 und 107. (Herv. von mir, L.V.Sz.)

[15] Vgl. R. Pannwitz: Hofmannsthals Komödien. In: Das junge Deutschland 1 (1918), H. 7, S. 209-212, oder auch R. Pannwitz: Hofmannsthals Erzählung «Die Frau ohne Schatten». In: Der Neue Merkur 5 (1919), H. 7, S. 509-512. (Beide Aufsätze wurden wieder aufgenommen in die Briefwechsel-Ausgabe).

[16] Vgl. dazu László V. Szabó: Hofmannsthal und die Franzosen. Facetten einer produktiven Rezeption. In: Véronique Liard, Marion George (Hgg.): Spiegelungen – Brechungen. Frankreichbilder in deutschsprachigen Kulturkontexten. Berlin, 2011, S. 159-186.

[17] Sein Drama Ödipus und die Sphinx hatte Hofmannsthal bereits 1906 veröffentlicht, während Pannwitz’ Die Befreiung des Oidipus unter den fünf Dionysischen Tragödien 1913 von Hans Carl publiziert wurde.

[18] Über Stifters Nachsommer hat Pannwitz sogar einen längeren Aufsatz publiziert, vgl. R. Pannwitz: Stifters Nachsommer. In: Österreichische Rundschau 58 (1919), Nr. 2, S. 162-176.

[19] Pannwitz, der über die Ladinersage eine Mythendichtung verfasste (erschienen in München, Feldafing 1920), scheint die Entstehung von Hofmannsthals Romanfragment Andreas beeinflusst zu haben, worauf auch einige Stellen in ihrer Korrespondenz hindeuten. Vgl. Konrad Heumann: Hugo von Hofmannsthal und Ladinien. Zur Entstehung des Romanfragments «Andreas». In: Ladinia 22 (1998), S. 325-340.

[20] Hofmannsthal hatte bereits 1915 ein (von Franz Wacik) illustriertes Bilderbuch Prinz Eugen der edle Ritter herausgegeben, an dem aber Pannwitz keinen Gefallen fand: «Ich halte das Buch von Prinzen Eugen für verfehlt und geradezu für ein beispiel dessen was man kindern und dem volk nicht geben darf. […] ich halte sie [die Bilder] für einen geschmackverderb allerschlimmster art». (HP, 124) Um Hofmannsthal zu einer nobleren Sicht über den Türkenhelden anzuregen, legte er seinem Brief ein Manuskript ein, in dem er Prinz Eugen auf dem Schlachtfeld als Heerführer präsentiert, der patriotisch «Vorwärts! Österreich! vorwärts!» schreit, und dessen Antlitz einen «übermenschlichen ausdruck» hat (ebda.).

[21] Allerdings fehlt das Orientalische in Hofmannsthals Werk auch nicht ganz. Man denke etwa an sein Gedicht Der Kaiser von China spricht, entstanden 1898, also lange vor der Bekanntschaft mit Pannwitz. Zu Hofmannsthal und Asien s. noch Thomas Pekar: Hofmannsthals ‘Umweg über Asien’. Zur Konstellation von Europa und Asien im europäischen ‘Krisen-Diskurs’ am Anfang des 20. Jahrhunderts. In: DvJs 83 (2009), H. 2, S. 246-261.

[22] Pannwitz hatte in seinen früheren Jahren Beziehungen zu Reformpädagogen gepflegt und selbst pädagogische Schriften publiziert. Seine pädagogisch-philosophischen Ansichten fasste er später in seiner Schrift: Kulturpädagogische Einführung in mein Werk. Leipzig, 1927 zusammen.

[23] Dass diese Rolle Pannwitz seltener zugesprochen wird als Hofmannsthal, liegt wohl mehr an der Unkenntnis als der Bewertung seines monumentalen Oeuvres.

[24] Schüppen, wie Anm. 11, S. 19.

[25] Als erfreuliche Ausnahme wäre Paul Michael Lützeler: Die Schriftsteller und Europa. Von der Romantik bis zur Gegenwart. 2. Aufl. Baden-Baden, 1998, S. 255-258 zu nennen. Zudem hatte noch Thirouin-Déverchère eine sehr umfangreiche (französische) Dissertation dem Thema Europa bei Pannwitz gewidmet: Marie-Odile Thirouin-Déverchère: L’idée d’Europe de Rudolf Pannwitz. L’Autriche et la Bohème comme modèles culturels européens. Phil. Diss. Grenoble, 1997.

[26] Rudolf Pannwitz: Deutschland und Europa. Grundriss einer deutsch-europäischen Politik. Nürnberg, 1918, S. 3. (Im Weiteren zitiert mit dem Kürzel «PDE»)

[27] Zur Idee eines inneren Aufbau Europas äußerte sich Pannwitz auch in einem anderen Aufsatz aus dieser Zeit. Vgl. Pannwitz: Der innere Aufbau Europas. In: Der Anbruch 1 (1917/18), Nr. 12, S. 2-3 bzw. Nr. 13, S. 2a-3a.

[28] Vgl. Martin Stern: Hofmannsthal und Böhmen (3). Hofmannsthals Plan einer «Tschechischen Bibliothek» (1918). Ein Aufklärungswerk für die Deutschen. In: Hofmannsthal-Blätter 3 (1969), S. 195.

[29] »Auf Salda war ich schon aufmerksam gemacht und hatte ihm schon vor längrer zeit mit einem brief das buch [die Krisis] gesandt». (HP, 93)

[30] Für Pannwitz gab es zwei Formen des Nationalismus, die «religiöse» und die «politische». Die erste, wenn die Bezeichnung auch etwas irreführend klingen mag, richtet sich nach der (eigenen) Sprache und Kultur, die zweite nach einer politischen Formation (Staat). Die Energien einer Nation sollten sich aber nicht allein nach innen orientieren, was der eigenen Kultur schade, sondern in eine gemeinsame europäische Kultur einfließen und sie verstärken. Vgl. László V. Szabó: Kulturtypologie und Transkulturalität: Rudolf Pannwitz und Der Geist der Tschechen. In: Zeitschrift für Mitteleuropäische Germanistik 6 (2016), H. 2, S. 127-145, hier S. 135, sowie Marie-Odile Thirouin-Déverchère: Que faire des nations en Europe? Réflexions sur la question des nationalismes à partir de l’œuvre européenne de Rudolf Pannwitz (1881-1969). In: Études Germaniques 64 (2009), H. 2, S. 381.

[31] R. Pannwitz: Die deutsche Idee Europa. München, Feldafing, 1931, S. 33.

[32] Vgl. Steffen Höhne: Bohemismus und Ultraquismus. In: Peter Becher et al. (Hgg.): Handbuch der deutschen Literatur Prags und der Böhmischen Länder. Stuttgart, 2017, S. 236.

[33] Vgl. R. Pannwitz: Der Geist der Tschechen. Wien, 1919. Pannwitz’ Tschechen-Buch bzw. sein Verhältnis zu den Tschechen und ihrer Kultur wurde inzwischen mehrfach in der Forschung diskutiert, vgl. Marie-Odile Thirouin-Déverchère: Rudolf Pannwitz in Böhmen: Die Begegnung eines deutschen Dichters und Denkers mit der tschechischen Kultur. In: Stifter-Jahrbuch, N.F. 6 (1992), S. 38-57; László V. Szabó: Kulturtypologie und Transkulturalität (wie Anm. 30).

[34] So heißt es in z.B. in einer eher verblüffend klingenden Prophetie: «Ob wir es wollen oder nicht, die Slawen werden früher oder später die Erben der romanisch-germanischen Völker und ihrer Kulturen, zuletzt auch die Herren Europas und seiner Gesamtkultur sein». Pannwitz: Der Geist der Tschechen, S. 23.

[35] R. Pannwitz: Vzpomínka na Otokara Březinu / Rudolf Pannwitz. S povolením autora prel. Jakub Deml. In: Slavische Rundschau 3 (1931), S. 131. (Die Schrift wurde später in einem selbstständigen Heft in Prag 1936 wieder herausgegeben).

[36] Ebda.

[37] Pannwitz hat z.B. im ungarischen Intellektuellen und liberalen Politiker Oszkár Jászi einen (Brief)Partner gefunden, der seine Idee einer transnationalen Kultur und Staatsform teilte. Der Pannwitz-Nachlass in Marbach am Neckar bewahrt sechs Briefe von Jászi an Pannwitz von 1918-1919, allerdings (laut Katalog) keine Antwortbriefe von diesem, obwohl es unwahrscheinlich ist, dass er keinen Brief von Jászi beantwortet hätte. In den Briefen an Hofmannsthal äußert sich Pannwitz mehrmals über Jászi, so auch am 19. November 1918, als er die «Mäßigung» in der Politik des ungarischen Ministerpräsidenten Graf Michael (Mihály) Károlyi, dessen Minderheitenbeauftragter Jászi damals war, dem Einfluss des Letzteren zuschrieb (HP, 355).

[38] Vgl. Marie-Odile Thirouin-Déverchère (Hg.): Briefwechsel Rudolf Pannwitz, Otokar Fischer, Paul Eisner. Stuttgart, 2002.